Eine kuriose Überschrift…

Die Überschrift „Fahrt durch die Einkaufsstraße – Polizei stoppt Verdächtigen“ rauschte irgendwann gestern über die Startseite von Spiegel Online. Eine kuriose Überschrift. Doch was versteckt sich hinter ihr? Der Versuch einer Anamnese.

Ich las irgendwo einmal, dass viele Menschen ihre Nachrichten gar nicht aus Beiträgen und Meldungen beziehen, sondern diese alleine aus den Titeln und Titelseiten ableiteten. Bei der immer größer werdenden Menge an neuen Meldungen sei für die meisten „Leser“ einfach keine Zeit, den Großteil der erscheinenden Beiträge zu lesen. Dieses Verhalten liegt die Vermutung zugrunde, dass der Titel eines Artikels etwas über dessen Inhalt aussagt. Doch ist dem so? Ein aktueller Beitrag auf Spiegel Online verrät: nicht immer und manchmal gar nicht. Weiterlesen

Zur Realität stets eine Armlänge Abstand

Menschen werden nur ungern mit jenen Fehlern konfrontiert, die sie in der Vergangenheit begangen haben. Wozu auch? An den begangenen Fehlern und verpassten Chancen lässt sich ohnehin nichts mehr ändern. Doch die eigene Sturheit zeigt sich besonders dort, wo viel Zeit und Engagement investiert wurde. Wer jahrelang Blut, Schweiß und Tränen in eine Sache, ein gemeinsames Ziel investiert hat, der wird nur schwerlich zugeben können, dass sich die Ziele als fehlgeleitet herausgestellt haben oder von der Realität eingeholt wurden.

Gerade führende Politiker haben es schwer. Das Internet vergisst nicht und nach der Wahl ist vor der Wahl. Kaum etwas verfolgt einen Politiker hartnäckiger als das Eingeständnis einen Fehler begangen zu haben. Ist das Eingeständnis eines Fehlers unausweichlich sollte behutsam und strategisch vorgegangen werden. Das Narrativ zur Begleitung muss vorher sorgsam konstruiert und gezielt lanciert werden. Wer unüberlegt in die Öffentlichkeit poltert kann nur auf den guten Willen der Medien hoffen – und der ist rar gesät.

Man kann aber auch Glück haben und auf einen Journalisten treffen, der es gut mit einem meint und so die eine oder andere abstruse Äußerung ignoriert. Henriette Regler hatte Glück. In einem Interview mit der FAZ äußerte sie sich zu dem Attentat auf sie und über die Übergriffe in der Kölner Silvesternacht. Ihr zufolge habe die Sache auch etwas Gutes, denn wir seien jetzt alle realistischer geworden. Weiterlesen

Empfehlenswerter Vortrag: SpiegelMining – Reverse Engineering von Spiegel-Online

Auf dem  aktuellen  Chaos Communication Congress gab es einen spannenden Vortrag von David Kriesel, in dem er des Webpräsenz von Spiegel Online etwas näher unter die Lupe genommen hat.

Über einen Zeitraum von zwei Jahren hat er alle Artikel in eine Datenbank geladen und ausgewertet. Mit den gewonnen Daten beschreibt er das Publikationsverhalten der Redakteure und Journalisten als auch deren Vernetzung innerhalb der Redaktion – und dies alleine aus den Metadaten der  publizierten Artikel. Auch wenn er bei manchen Annahmen sich eines etwas größeren Interpretationsspielraums bedient – der naturgemäß auch Fehlschlüsse zulässt -, sind die Erkenntnisse, die er daraus gewinnt durchaus spannend.

So zeichnet Kriesel sehr schön das Abschalten der Kommentarfunktion von Spiegel Online nach.  Während die Leser die Kommentarfunktion zu den zu den Themen Ukraine-Konflikt oder Streiks bei Lufthansa und DB ausführlich nutzen dürfen, bleibt diese Funktion den Interessierten bei den Themen Flüchtlinge,  Asylpolitik oder Nah-Ost-Konflikt verwehrt. Die Daten lassen ebenfalls den Schluss zu, dass die sukzessive Abschaltung der Kommentarfunktion mit dem Beginn der Flüchtlingskrise einsetzte und im Laufe der Monate immer mehr Artikel betraf.

Kriesel präsentiert natürlich noch deutlich mehr Erkenntnisse in seinem Vortrag. Daher eine absolute Guck-Empfehlung!

Von politischer Alternativlosigkeit und dem Aufstieg der AfD

Es gibt Menschen, die glauben, angesichts der Wahlerfolge, die AfD verfolge eine ausgeklügelte Wahlkampfstrategie. Ein Trugschluss. Die AfD hat die Wähler nicht gewonnen – sie wurden ihr geschenkt.

Der Erfolg der AfD ist eine Zäsur in der Geschichte der BRD. Während im europäischen Ausland rechte Parteien schon seit Jahren an Bedeutung gewinnen und – wie kürzlich in Polen – die Regierung stellen, schien Deutschland von dem mehr oder weniger neuen Phänomen rechter, konservativer und häufig anti-muslimischer Parteien verschont zu bleiben. Ein Trugschluss wie sich jetzt zeigt.

Die Geschwindigkeit, mit der die AfD erste Wahlerfolge verzeichnen kann zeigt, dass es in diesem Land schon länger gärt. Anders ist das rasche Wachstum der Partei kaum zu erklären. In den Kommunalwahlen in Hessen kam die Partei aus dem Stand auf rund 13 Prozent. In den Landtagswahlen in Baden-Württemberg wurden der AfD die gleichen Chancen vorhergesagt wie der SPD – 12,5 Prozent. Obwohl die Vorhersagen als moderat galten, zog die AfD am Wahlabend an der SPD vorbei und erreichte 15,1 Prozent. Die SPD musste sich mit den vorhergesagten 12,7 Prozent begnügen. Die letzten Wahlerfolge verbuchte die Partei in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Die AfD wurde mit 20,8 Prozent der Stimmen gewählt und wurde damit zweitstärkste Kraft in Mecklenburg-Vorpommern – noch vor der CDU. In Berlin erreichte die Partei 14,1 Prozent. Die Wahlergebnisse zeigen, dass die Zeiten, in denen die Spitzen der etablierten Parteien es sich erlauben konnten die AfD zu ignorieren oder ihr eine kurze Lebensdauer beschied, vorbei sind. Doch worauf beruht der Erfolg der Alternative für Deutschland?

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Europäisch radikalisiert

Es gibt Nachrichten, die, ob ihrer Kürze, zu schön sind, als das man nicht darüber berichtete. Diese beginnt in den 90er Jahren in Afghanistan und handelt von dem afghanischen Gesundheitsminister Abdul Rauf Mohammad.

Wie mehrere Medien – so auch der Spiegel – berichteten, wurde eben jener Abdul Rauf Mohammad vor wenigen Tagen von den deutschen Grenzbehörden bei der illegalen Einreise unter falschen Namen aufgegriffen. Nach seiner Festnahme gab er an, in Deutschland Asyl beantragen zu wollen. Zuvor hatte er bereits in Norwegen Asyl beantragt und auch bekommen. Zwischen 2000 – 2014 lebte er dort, bis er schließlich abgeschoben wurde.

Spiegel Online nennt in dem wenige Absätze zählenden Artikel auch einen Grund für die Abschiebung, den man sich in Ruhe auf der Zunge zergehen lassen solle. Abdul Rauf Mohammad wurde von den norwegischen Behörden abgeschoben, da er sich „mit den Jahren im norwegischen Exil radikalisiert“ habe. So soll er in Verbindung zu jungen Muslimen, die wegen eines geplanten Terroranschlags festgenommen wurden, gestanden haben. Er war ihr Imam.

Ohne Abdul Rauf Mohammad persönlich zu kennen oder ein Experte in Sachen Taliban zu sein, halte ich es für durchaus fragwürdig, dass ein führendes Mitglied der afghanischen Taliban-Regierung, dass mehrfach damit prahlte Osama Bin Laden persönlich getroffen zu haben, sich erst nach der Ausreise aus Afghanistan im europäische Exil religiös radikalisiert habe.

 

Netzwerkforschung am Beispiel von Game of Thrones

Cordis, der Forschungs- und Entwicklungsinformationsdienst der europäischen Gemeinschaft, hat einen interessanten Artikel zur Netzwerkforschung veröffentlicht. Im Vorfeld des Staffelauftakts der sechsten Staffel wendeten US-amerikanische Forscher einen mathematischen Algorithmus an, um die wichtigste Frage über die Welt von „Games of Thrones“ zu beantworten. Sie gehen der Frage nach, wer eigentlich der wahre Hauptcharakter ist.

Hier findet man den vollständigen Artikel.

Putin und die Panama Papers

Die Massenmedien geben sich irritiert, wenn der Begriff der Lügenpresse fällt. Doch wer verstehen möchte warum er dennoch immer wieder gebraucht wird, der sollte sich die Berichterstattung um die Panama Papers näher anschauen.

Beinahe alle großen Zeitungen widmeten dem russische Präsidenten Vladimir Putin einen eigenen Artikel, um auf die vermeintlichen Geschäfte des Präsidenten aufmerksam zu machen. Die Zeit titelt „Geheimgeschäfte von Hunderten Politikern enthüllt“ und versieht den Artikel mit dem Konterfei Putins. Erst beim Lesen des Artikels erfährt der Leser, dass nicht Putin selbst in den Vorfall verwickelt ist, sondern „enge Vertraute“.

Die Welt geht noch einen Schritt weiter und veröffentlicht einen Beitrag mit dem Titel: „Der Cellist, der Putins Geld verwaltet“.  Der Leser erfährt viel Spekulatives über das Umfeld Putins. Inwiefern dieser selber an den Geschäften beteiligt sein soll verraten die  Journalisten jedenfalls nicht. Den eigentlichen Link zwischen dem „Cellisten“ und Putin behaupten die Autoren einfach: „Womöglich ist er selbst nur ein Vertrauter, der im Interesse Putins agiert.“ Vielleicht, vielleicht  aber auch nicht. Weiterlesen