„Dem habe ich nichts hinzuzufügen“

Der Spiegel hat zum Antritt Steffen Seiberts vor fünf Jahren eine Liste mit „goldenen Regeln“ erstellt, die ein Regierungssprecher beherrschen müsse. Unter dem fünften Punkt findet sich folgendes:

„Manchmal ist es so, dass der Sprecher eine Frage beantworten muss, die er eigentlich nicht beantworten kann, weil er nicht im Film ist. Oder er will sie nicht beantworten, weil eine ehrliche Antwort für die Regierung zu schlechten Schlagzeilen führen würde. Trotzdem müssen die Journalisten das Gefühl haben, sie bekommen eine Antwort. Das heißt: Der Sprecher muss so tun, als würde er die Frage der Journalisten beantworten, ohne es wirklich zu tun.“

Darüber hinaus sei es die Aufgabe des Sprechers „den Chef“ immer gut aussehen zu lassen. Ich würde sagen, dass Seibert hier in beiden Punkten grandios versagt hat. 🙂

Einmal die lange Version:

Der Supercut:

Um fair zu bleiben: Es gibt durchaus berechtigte Kritik an Jung. Ich persönlich finde, dass Jung eine ziemlich gute Arbeit macht, auch wenn er nicht immer ausreichend informiert ist. Er gehört zu der seltenen Gattung von Journalisten, die hartnäckig nachfragen wenn sie das Gefühl haben, mit Phrasen abgespeist worden zu sein.

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Dieser Wikileaks-Typ

Es wird viel kokettiert mit der tatsächlichen oder unterstellten Ahnungslosigkeit von US- Amerikanern. Angeblich haben sie keine Ahnung von Ernährung, Geografie, Politik und so weiter. Die Handvoll Amerikaner die ich in meinem Leben bisher getroffen habe passen fast gar nicht auf die Beschreibung. Allerdings waren dies meist Menschen, die schon viel herumgekommen sind. Wie es mit der Allgemeinbildung eines in Texas geborenen aussieht, der nie seinen Staat verlassen hat ist mir nicht bekannt.

Was aber vergangene Woche bei Last Week Tonight with John Oliver lief kann einen schon umhauen. Zum Thema Government Surveillance hat John Oliver mal ein Kamerateam zum Time Square geschickt und die Menschen gefragt wer eigentlich Edward Snowden ist. Keiner der Teilnehmer konnte die Frage korrekt beantworten. Einige hatten gar keine Ahnung, andere nahmen an, dass es dieser Typ von Wikileaks sein müsse.

Es ist natürlich möglich, dass beim Schnitt des Videos einfach jene herausgeschnitten wurden, die nicht zur Message des Formats passten. Allerdings beteuert John Oliver, dass keiner der Befragten eine Antwort hatte und somit auch niemand entfernt wurde. Das wäre natürlich ein desaströses Ergebnis für das amerikanische Mediensystem, dass anscheinend nicht mehr in der Lage ist die Bürger hinreichend zu informieren.