Zur Realität stets eine Armlänge Abstand

Menschen werden nur ungern mit jenen Fehlern konfrontiert, die sie in der Vergangenheit begangen haben. Wozu auch? An den begangenen Fehlern und verpassten Chancen lässt sich ohnehin nichts mehr ändern. Doch die eigene Sturheit zeigt sich besonders dort, wo viel Zeit und Engagement investiert wurde. Wer jahrelang Blut, Schweiß und Tränen in eine Sache, ein gemeinsames Ziel investiert hat, der wird nur schwerlich zugeben können, dass sich die Ziele als fehlgeleitet herausgestellt haben oder von der Realität eingeholt wurden.

Gerade führende Politiker haben es schwer. Das Internet vergisst nicht und nach der Wahl ist vor der Wahl. Kaum etwas verfolgt einen Politiker hartnäckiger als das Eingeständnis einen Fehler begangen zu haben. Ist das Eingeständnis eines Fehlers unausweichlich sollte behutsam und strategisch vorgegangen werden. Das Narrativ zur Begleitung muss vorher sorgsam konstruiert und gezielt lanciert werden. Wer unüberlegt in die Öffentlichkeit poltert kann nur auf den guten Willen der Medien hoffen – und der ist rar gesät.

Man kann aber auch Glück haben und auf einen Journalisten treffen, der es gut mit einem meint und so die eine oder andere abstruse Äußerung ignoriert. Henriette Regler hatte Glück. In einem Interview mit der FAZ äußerte sie sich zu dem Attentat auf sie und über die Übergriffe in der Kölner Silvesternacht. Ihr zufolge habe die Sache auch etwas Gutes, denn wir seien jetzt alle realistischer geworden. Weiterlesen